„Juchhe“ – Das märchenhafte Projekt der
Eppsteiner Burgschauspieler



Inzwischen wurde damit begonnen, Schutt abzufahren, Mauern frei zu legen, Lücken zu schließen. Das Tempo und der Umfang der Restaurierungsmaßnahmen werden bestimmt durch die verfügbaren finanziellen Mittel. Dabei sind wir auf wohlwollende Unterstützung angewiesen, denn die Einnahmen aus dem Kartenverkauf fließen der Stadt zu.
Das uns eingeräumte Budget dient ausschließlich der Deckung von Kosten aus dem laufenden Spielbetrieb.

Die Burgschauspieler haben einen verschütteten Raum auf der Burg entdeckt – der „Juchhe“ -, den sie wieder erbauen und als Vereinsraum und als Veranstaltungsraum für verschiedene Anlässe nutzen werden.
Der Raum soll in den noch verbliebenen alten und ergänzten Gemäuern der „Juchhe“ entstehen. Die volkstümliche Bezeichnung „Juchhe“ bezieht sich auf die drei hohen Geschosse des Gebäudes, das seit 1350 den Herren von Eppstein, später einem kurmainzischen Finanzbeamten und einem nassauischen Amtmann als Wohnraum diente. 1810 wurde die Juchhe an Privat verkauft. Der neue Eigentümer war ein Müller, der den „Juchhe“ als Steinbruch benutzte, um seine abgebrannte Mühle wieder aufzubauen.
25.10.2013 an diesem Tag war Spatenstich und da schreiben sie Geschichte, die Burgschauspieler. Seit 1.000 Jahren wurde nicht mehr auf der Burg gebaut, restauriert ja, aber es gab seit dieser Zeit keinen Neubau mehr.
28.09.2022
Burgis feiern magische Momente
Auf einer umgedrehten Bierkiste stehend ließ Juliane Rödl im neuen Juchhe-Bau die vergangenen 17 Jahre Revue passieren. Offensichtlich konnte die Chefin der Burgschauspieler es selbst noch nicht fassen, „dass wir das hier heute erleben!“
Sichtlich bewegt sprach sie zu den rund 70 Gästen bei der Einweihung des ungewöhnlichen Vereinsheimes in historischen Mauern und erinnerte an glückliche Momente und mindestens genauso viele Augenblicke, in denen der Vereinsvorstand der Verzweiflung nahe war und kurz davor, alles hinzuwerfen.
Bei der Einweihung am Samstag schienen die Schwierigkeiten vergessen zu sein. „Der Raum ist voller Magie“, sagte sie, in ihrer Ansprache inne haltend, und erinnerte an die vielen glücklichen Fügungen und Zufälle der vergangenen Monate, die dazu geführt hatten, dass der Raum pünktlich zur Festspielpremiere fertig wurde, samt Küchenzeile und exklusiven Stühlen aus dem Rettershof-Fundus.
Die Wände waren in blaues und rosafarbenes Licht getaucht. Der jüngste Nachwuchs von Burgschauspieler Richard El Duweik nahm auf den Armen seiner Eltern an der Einweihung teil. Auf einem der bequemen roten Stühle lauschte eine der ältesten Burgschauspielerinnen, die 85-jährige Gerda Bimmel, Rödls Worten. In einer Ecke liefen Fotos aus der langen Bauphase über den Bildschirm: vom Aushub, Spatenstich, Einbau der Stahlträger.
2005 standen Rödl und die damalige Vorsitzende Astrid Schulz mit dem früheren Stadtarchivar Bertold Picard auf einem Schuttberg in den Mauern des historischen Juchhe-Baus und hatten eine Idee: „Das buddeln wir aus und bauen einen Vereinsraum hinein.“ Wenige Jahre später begannen die Burgis, wie sie sich selbst nennen, mit dem Aushub von 500 Tonnen Schutt. Damals belief sich der Kostenvoranschlag für den Neubau in den alten Mauern auf rund 120 000 Euro.
Es folgten Gespräche mit den Denkmalschutzbehörden, archäologische Gutachten, Bauauflagen, Bauforschungspausen. 2014 schockte der unerwartete Tod ihres vereinsinternen Bauleiters Joachim Reinhard den Verein. Danach ging es einfach nicht mehr richtig voran: Fehler bei den statischen Berechnungen des Stahlträgers, Baustillstand, ausgerechnet beim Dachaufbau, auch das Dach war fehlerhaft berechnet. Kein Dachdecker war bereit, für die Eindeckung Gewährleistung zu übernehmen. Unterdessen begann die Holzkonstruktion des Dachstuhls zu schimmeln. Das Dach musste komplett neuberechnet werden. Und die Baukosten stiegen unaufhörlich.
200 000 Euro war das absolute Limit des Vereins. Deshalb wollten die Burgschauspieler zuerst 2019 und dann 2021 aufgeben. 2019 ermutigte sie Landrat Michael Cyriax, weiterzumachen. 2021 half ein unerwartetes Angebot der Stadt dem Verein wieder auf die Beine: Ein Darlehen über 120 000 Euro soll bei der Finanzierung der inzwischen auf über 350 000 Euro gestiegenen Baukosten helfen.
Für die Burgschauspieler so kostbar wie das Bernsteinzimmer
Außerdem bat Bürgermeister Alexander Simon den ehemaligen Stadtarchitekten Alwin Dörr um Rückkehr aus dem Ruhestand. Dörr koordinierte seitdem die Arbeiten und stellte den Juchhe-Bau punktgenau zum Beginn der Festspiele in diesem Jahr fertig. Nur die von der Denkmalbehörde geforderte Dachbegrünung fehlt noch.
Das „Eppsteiner Bernsteinzimmer“, nannte Juliane Rödl den urigen Raum mit dem dominanten Natursteinmauerwerk. Er sei voller Magie und vermutlich der schönste und der teuerste Vereinsraum im Main-Taunus-Kreis. Der Historiker Bertold Picard legte noch eins drauf: „Kaum jemand im Kreis wohnt in so unmittelbarer Nähe zu so alten Mauern.“
Die ältesten Teile des Gebäudes gehen noch auf den ersten Bau vor mindestens 700, möglicherweise sogar 900 Jahren zurück.
Zum festlichen Anlass kamen einige Burgschauspieler kostümiert. Als Dankeschön für den unermüdlichen Vorstand hatten sie einen kurzen Sketch einstudiert: Er spielte an einem Sommertag im Jahr 1849 auf der Burg – mit Gästen aus Frankreich und den USA, deren Namen Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith tatsächlich in diesem Jahr im Besucherbuch gefunden hatte: Victor Hugo und George Sand besichtigten neben einer reichen Amerikanerin das Gemäuer.
Zur feierlichen Stimmung passte auch der Besuch von Pfarrerin Heike Schuffenhauer, die den Raum segnete. Sie freue sich, dass sie als evangelische Pfarrerin auf zutiefst katholischem Raum dabei sein dürfe, sagte sie schmunzelnd, denn der Juchhebau war über Jahrhunderte Sitz des kurmainzischen Kellers.
„Du bist mein Fels und meine Burg“, zitierte sie einen passenden Psalm aus der Bibel .
Bericht der Eppsteiner Zeitung: bpa
Anmerkung: Den ausführlichen Beitrag zur Geschichte des Juchhe-Baus von Dr. Bertold Picard finden Sie in der Eppsteiner Zeitung in der Rubrik Geschichte:
https://www.eppsteiner-zeitung.de/eppsteiner/geschichte/juchhe-burg-pracht-untergang-neues-leben-id48076.html